SCB-Legende Simon Moser tritt ab ins neue Amt

13.05.26 - Von Roman Badertscher

Nach über einem Jahrzehnt beim SC Bern, mehreren Titeln und sieben Jahren als Captain endet die Spielerkarriere von Simon Moser. Im Interview spricht er offen über seine Verletzung, den schwierigen Abschied vom Profisport, emotionale Momente beim SCB und seine neue Rolle neben dem Eis. Ein Gespräch über Rückschläge, Teamgeist und einen neuen Lebensabschnitt.

Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es dir persönlich?

«Meistens geht es mir sehr gut. Natürlich wäre ich lieber noch auf dem Eis gestanden. Ganz optimal ist es noch nicht, aber es geht mir deutlich besser als vor der Operation. Hochintensive Belastungen sind noch nicht möglich, doch im Alltag bin ich schmerzfrei. Und das ist schon sehr viel wert.»

Die Operation ist schon eine Weile her. Wie hast du das damals wahrgenommen, dass es schwierig wird zurückzukommen?

«Die Verletzung hat sich über mehrere Jahre entwickelt und kam nicht plötzlich. Ich habe lange gehofft, dass es noch möglichst lange gut geht, wusste aber auch, dass es sich verschlechtern kann. Genau das ist dann in dieser Saison passiert. Im Dezember musste ich mich einem operativen Eingriff unterziehen. Seitdem bin ich in der Rehabilitation und Physiotherapie und es ging von Monat zu Monat aufwärts. Die ersten sechs Wochen war ich noch auf Krücken, danach folgte ein schrittweiser Aufbau.»

Ist die Operation gut verlaufen?

«Ja, alles ist sehr gut verlaufen. Vor Kurzem hatte ich die Drei-Monats-Kontrolle und bald steht die Jahreskontrolle an. Die Physiotherapie kann ich teilweise hier vor Ort machen, den Rest erledige ich zuhause. Es ist schön, trotzdem regelmässig hier zu sein und die Spieler zu sehen. Ich bin zwar nicht mehr so intensiv dabei, aber ich freue mich jedes Mal, wenn ich vorbeikomme.»

Der SC Bern selbst hatte keine einfache Saison. Wie hast du sie erlebt?

«Es war eine sehr schwierige Saison. Nach 2024/25 sind die Erwartungen nochmals gestiegen, aber wir sind schlecht gestartet, was sofort Unruhe ins Umfeld gebracht hat. Der Trainerwechsel bedeutete dann einen grossen Umbruch für das Team und den Staff. Es brauchte Zeit, um sich zu finden. Vor der Olympia-Pause lief es wieder besser: Die Verletzten kehrten zurück, wir konnten komplett spielen und die Resultate stimmten. Danach kamen erneut Verletzungen und ein schwacher Restart. Schon früh zeichnete sich ab, dass es auf die letzten Spiele hinauslaufen würde.»

Die Play-Ins wurden erreicht. Rückblickend auf den Trainerwechsel. Wie hast du diesen wahrgenommen? War es anders als andere?

«Für mich war es sehr emotional. Nach zwei Jahren Zusammenarbeit kam der Wechsel früh in der Saison. Aufgrund meiner Verletzung konnte ich viele Trainings und Spiele nicht bestreiten und hatte das Gefühl, nicht helfen zu können, die Situation zu verhindern. Da macht man sich als Spieler auch Gedanken und teilweise Vorwürfe. Gleichzeitig geht es im Sport sehr schnell weiter, sodass wenig Zeit bleibt, lange darüber nachzudenken.»

Du warst jahrelang Captain beim SC Bern. Aber auch ohne Captain-Amt warst du immens wichtig für die Chemie in der Mannschaft. Für Marco Lehmann warst du einer der Gründe, weshalb er nach Bern gekommen ist. Für Alain Graf ist dein Rücktritt als Spieler ein riesiger Verlust für die Mannschaft. Was geht dir durch den Kopf, wenn du solche Aussagen deiner Teamkollegen hörst?

«Das ehrt mich sehr. Ich habe zu beiden ein sehr gutes Verhältnis. Mit Marco habe ich viel gesprochen, bevor er nach Bern kam. Es war immer mein Ziel, nicht mich selbst in den Vordergrund zu stellen, sondern den Teamgedanken zu stärken. Gerade in einem so engen Gefüge ist das entscheidend. Umso schöner ist es, wenn die Mitspieler das so wahrgenommen haben.»

Vor etwas mehr als 12 Jahren hast du dich entschieden, zum SC Bern zu wechseln. Aus welchen Gründen?

«Wir sind damals mit Langnau abgestiegen und 2014 war zudem ein Olympia-Jahr. Für mich war klar, dass ich nicht in der Nationalliga B spielen wollte. Der SC Bern hat mich schon immer gereizt, auch weil ich in der Region aufgewachsen bin. Als Kind hier Spiele zu besuchen, prägt einen. Zudem wollte ich um Titel spielen und dafür war Bern die beste Option.»

Hattest du von der damaligen SCB-Mannschaft Vorbilder?

«Ja, vor allem die Schweizer Führungsspieler wie Martin Plüss, Ivo Rüthemann, David Jobin oder Beat Gerber. Sie haben über Jahre den Kern der Mannschaft gebildet. Das hat mich motiviert, diesen Schritt zu machen und mir meine Rolle zu erarbeiten. In Bern muss man sich alles hart erkämpfen – nicht nur auf dem Eis, sondern auch im Umfeld. Das hat mich enorm weitergebracht.»

Sieben Jahre warst du Captain, hast 614 SCB-Spiele bestritten, drei Meistertitel und zwei Cup-Siege gewonnen. Was war das schönste Erlebnis für dich?

«Der erste Meistertitel 2016 und der Cupsieg im Jahr davor, weil es meine ersten Titel in der höchsten Liga waren. Da hat man gemerkt, dass man wirklich etwas gewinnen kann. Besonders der Meistertitel 2016 bleibt mir in Erinnerung: Wir hatten eine ähnliche Saison wie jetzt, mussten durch schwierige Phasen und in den Playoffs lief plötzlich alles für uns. Der erste Titel ist immer etwas ganz Besonderes.»

Wie du gesagt hast, musstest du dein vorzeitiges Saisonende bekannt geben. Deine Spielerkarriere ging zu Ende. Wie hast du dich mit diesem Gedanken befasst und auseinandergesetzt?

«Mit zunehmendem Alter wird einem bewusst, dass die Karriere irgendwann endet. Man hofft natürlich, so lange wie möglich mithalten zu können. In den letzten zweieinhalb Jahren habe ich aber gemerkt, dass mein Körper mehr Zeit zur Regeneration braucht und Verletzungen schneller zu Schmerzen führen. Dass es so schnell gehen würde, hätte ich nicht gedacht. Gleichzeitig hat mir das geholfen, die letzten Saisons bewusster zu geniessen, auch wenn es sportlich nicht immer optimal lief.»

In der Saison 2024/25, in der du noch durchgespielt hast, hatte man als Aussenstehender das Gefühl, dass du schneller wurdest. Hatte Toni Szabo als Skills Coach Einfluss darauf?

«Ich bin grundsätzlich offen für neue Inputs und Toni hat einige gute Impulse gesetzt. Nach 16 Saisons ist es aber nicht einfach, grundlegende Dinge zu verändern. Trotzdem konnte ich einiges mitnehmen. Zudem war ich in dieser Saison komplett schmerzfrei, was sich direkt auf meine Spritzigkeit ausgewirkt hat. Sobald Schmerzen da sind, fehlen automatisch ein paar Prozent. Diese Saison war deshalb frustrierend, weil ich gespürt habe, dass noch mehr möglich gewesen wäre.»

Der letzte Titel holte der SC Bern 2019. Dann musste man viele Jahre unten durch. Wie bist du generell mit Rückschlägen umgegangen?

«Rückschläge sind immer frustrierend, denn jeder will gewinnen. Wichtig ist aber, daraus Energie zu ziehen, die Situation zu analysieren und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Man kann aus negativen Phasen sehr viel lernen. Meine Karriere hatte Höhen und Tiefen, vom Abstieg bis zu Titeln. Perfekte Karrieren sind selten. Entscheidend ist, dass man dranbleibt, bodenständig bleibt und auch ein Stück weit das nötige Glück hat.»

Kam der Entscheid vom Karriereende schleichend?

«Teilweise schon. Die Schmerzen waren schon vor der letzten Saison da, konnten aber mit Therapie gut behandelt werden. Dadurch hatte ich Hoffnung, weitermachen zu können. Als die Schmerzen in dieser Saison nicht mehr zurückgingen, wollte ich zunächst einfach die Saison beenden. Nach eineinhalb Monaten mit täglichen Schmerzen wurde aber klar, dass es so nicht mehr geht. Der Gedanke ans Karriereende war zuerst weit weg, kam dann aber relativ schnell wieder näher und am Ende ging es doch sehr abrupt.»

Dein Trikot mit der Nummer 21 kommt unters Hallendach. Was bedeutet dies für dich, im Kreis der wertvollsten SCB-Spieler aufgenommen zu werden?

«Das bedeutet mir sehr viel. Ich hätte mich nie mit Legenden wie Thomas Vrabec oder Martin Rauch vergleichen wollen. Das waren für mich riesige Persönlichkeiten. Umso grösser ist die Ehre, jetzt selbst in diesem Kreis zu stehen. Das wird ein ganz besonderer Moment.»

Du bleibt auch über die Saison hinaus beim SCB und wirst Team-Manager. Es ist eine neu geschaffene Stelle. Wie kam es dazu?

«Ich wurde darüber informiert, dass diese Position geschaffen wird. Danach habe ich mich intensiv informiert, auch bei anderen Teams und ehemaligen Team-Managern. Am Ende war für mich klar, dass ich diese Herausforderung annehmen möchte. Ich bleibe nahe am Team, arbeite aber mehr im Hintergrund und übernehme organisatorische Aufgaben. Darauf freue ich mich sehr.»

Sportdirektor Martin Plüss hat sicherlich ein Stellenprofil erstellt. Kannst du uns erzählen, was deine Aufgaben sein werden?

«Zu Beginn wird sich das sicher noch entwickeln. Grundsätzlich geht es um alles rund um den Trainings- und Spielbetrieb: Organisation von Teamreisen, Vorbereitungsspiele, Integration ausländischer Spieler, Wohnungssuche, Eiszeitenplanung sowie die Zusammenarbeit mit Nachwuchsspielern oder B-Lizenzspielern. Es ist ein sehr breites Aufgabenfeld. Mein Ziel ist es, den Spielern den Rücken freizuhalten, damit sie sich voll auf ihre Leistung konzentrieren können. Ich werde dann sehen, wie mein Alltag konkret aussieht. Zum Glück habe ich ein starkes Team im Hintergrund, das mich unterstützt.»

Vielen Dank, Simon Moser, für das Gespräch!

Stimmen mehrerer Weggefährten:

Thomas Rüfenacht (2014-2022): «Mösu war für mich ein überragender Charakterleader. Wir haben lange in derselben Linie gespielt. Ich war oft der Hitzkopf und er war derjenige, der mich beruhigt hat. Ich war sehr dankbar für seine positive Art und habe die Zeit mit ihm extrem genossen. Wir hatten eine grossartige Mannschaft. Ich glaube, die ganze Hockeyschweiz wird ihn auf dem Eis vermissen. Ehre, wem Ehre gebührt. Jetzt hoffe ich, dass er auch etwas Ruhe geniessen kann.»

Marco Lehmann (seit 2022): «Bevor ich nach Bern gewechselt bin, war er die wichtigste Bezugsperson für mich. Ich habe viel mit ihm über den SC Bern gesprochen. Er war nicht der einzige Grund für meinen Wechsel, aber definitiv ein sehr grosser. In den letzten dreieinhalb Jahren durfte ich ihn als Mitspieler erleben. Seine Einstellung beeindruckt mich bis heute.»

Fabian Ritzmann (seit 2022): «Simu war für mich auf und neben dem Eis eine riesige Bereicherung. Er ist ein echter Leitwolf, der die Mannschaft mitzieht und gerade auch die jungen Spieler immer einbindet. Ich durfte dreieinhalb Jahre mit ihm spielen. Umso mehr schmerzt es, dass seine Karriere so zu Ende geht. Ich wünsche ihm für die Zukunft nur das Beste.»

Alain Graf (seit 2024): «Er ist ein enormer Verlust für uns – besonders für die jungen Spieler. Simu hat uns in allen Bereichen geholfen, besser zu werden. Er ist nicht nur ein grosser Spieler, sondern auch ein grossartiger Mensch. Es ist sehr schade, dass seine Karriere so endet, aber das gehört leider auch zum Sport.»

Foto: SC Bern