Bader: Die Schweiz ist der klare Favorit
Die Schweizer Nationalmannschaft trifft heute Nachmittag in ihrem vierten Gruppenspiel auf Österreich. Da die ÖEHV-Adler nach drei Spielen ebenfalls mit dem Punktemaximum dastehen, könnte man einem Spitzenkampf sprechen. Österreichs Trainer Roger Bader winkt jedoch ab, zu unterschiedlich seien die Vorzeichen.
Foto: Andreas Robanser
Roger Bader war nach dem Sieg Österreichs über Lettland sichtlich begeistert von seinem Team. «Ich habe eine Gänsehaut, wenn ich sehe, wie wir spielen. Jeder hält sich ans Spielkonzept, jeder kämpft für den andern. Es gibt einfach keine faulen Eier in diesem Team», zeigt sich Österreichs Schweizer Trainer beeindruckt. Dabei ging es für Bader zum Turnierstart vor allem darum die Erwartungen auf ein realistisches Level zu bringen. «Noch vor drei Jahren haben wir uns den Klassenerhalt im Penaltyschiessen gesichert. Man darf die Erwartungen deshalb nicht zu hochschrauben, nur weil wir letztes Jahr im Viertelfinale waren», gibt der Trainer zu bedenken. Für den gebürtigen Winterhurer war es in den ersten beiden Spielen dann auch äusserst wichtig erst einmal das Minimalziel des Klassenerhaltes zu sichern. «Danach haben wir den dritten Sieg zu einem weiteren Ziel gemacht», erklärt Bader nach dem Erreichen dieses zweiten Ziels.
Ungleiche Vorzeichen
Mit neun Punkten auf dem Konto, sei nun aber auch das Viertelfinale ein Ziel. «Um dieses zu erreichen, müssen wir ein viertes Spiel gewinnen», ist sich Bader sicher. Ob dieser vierte Sieg gleich gegen die Schweiz gelingen wird, stellt der Nationalcoach jedoch in Frage. «Wir spielen das vierte Spiel in nur fünf Tagen. Ich kenne keine andere Sportart, wo man ein solch strenges Programm absolvieren muss», äussert sich Bader kritisch. Neben den Nachteilen beim Spielplan, sieht Bader aber auch im Kader der beiden Teams grosse Unterschiede. «Die Schweiz hat das älteste Team, wir das drittjüngste. Die Schweizer können an dieser WM auf ein sehr erfahrenes Team bauen, dass auf sechs gute NHL-Spieler zählen kann. In meinem Team befinden sich derweil zehn Spieler, die ihre erste oder zweite WM spielen», gibt Bader zu bedenken. Trotz dieses Understatements macht der Trainer aber auch klar, dass sein Team auch im vierten WM-Spiel alles geben wird. «Natürlich wollen wir uns nicht derart auf die Schlachtbank führen lassen, wie dies die Deutschen getan haben», erklärt Bader.
Keine WM, wie jede andere
Unterhält man sich mit Roger Bader, so merkt man schnell, dass er ein profunder Hockeykenner ist. Dabei kann er seine Schweizer Herkunft natürlich nicht verbergen. «Spiele gegen die Schweiz sind deshalb immer speziell», gibt er unumwunden zu. Das spezielle Gefühl beziehe sich jedoch nur auf die Vorbereitung. «Während dem Spiel kann ich die Emotionen sehr gut ausblenden», erklärt er. Einzig beim Turnier in Prag sei es speziell gewesen. Damals war Sohn Thierry für die WM aufgeboten, kam jedoch während dem ganzen Turnier zu keinem Einsatz. «Wenn er damals gespielt hätte, weiss ich nicht, ob ich die Emotionen derart einfach zur Seite gelegt hätte», gibt Bader zu.
Da sich Thierry während der aktuellen Saison eine Hüftverletzung zuzog, war er für diese WM nie ein Thema. Eine spezielle WM ist es für Roger Bader aber auch ohne das Duell gegen seinen Sohn. Schliesslich wohnt er nur fünf Minuten vom Teamhotel der Österreicher entfernt. «Nach Hause gehe er während der WM aber trotzdem nicht. Ich habe mir gesagt, dass ich nichts tue, was ich an einem Turnier in Stockholm nicht auch tun würde», erklärt der Trainer.
Geht der Trainer nicht nach Hause, findet zumindest seine Familie den Weg ins Stadion. So waren bei den ersten beiden Spiele Baders Eltern anwesend. Beim dritten Spiel sass derweil seine Tochter auf der Tribüne. «Sie schrieb mir in der zweiten Drittelspause, dass Nissner das Spiel entscheiden würde», schmunzelt Bader im Wissen, dass Österreichs Nummer 70 in der 45. Minute tatsächlich das entscheidende Tor für die Österreicher schoss.
Der Traum von Olympia
Möchte Österreich nach dem erfolgreichen Start ins Turnier zum zweiten Mal in Folge das Viertelfinale erreichen, gibt es für Bader auch langfristige Pläne in seiner zweiten Heimat. «Ich habe unlängst meinen Vertrag bis 2028 verlängert, sollten wir uns dann für Olympia qualifizieren, gilt mein Kontrakt bis zu den Spielen in Frankreich», erklärt er. Eine Qualifikation für ein olympisches Eishockeyturnier wäre eine grosse Sache für den ÖEHV, schliesslich waren die Österreicher seit Sotschi 2014 nicht mehr bei diesem Grossanlass dabei. «In der letzten Qualifikation sind wir in Bratislava an den Slowaken gescheitert, die waren einfach zu gut für uns», erinnert sich der Trainer. Es ist ihm bewusst, dass es sein Team bessere Qualifikationschancen hätte, wenn es in der Weltrangliste unter den ersten elf rangieren würde. «Die Teams auf den Rängen neun, zehn und elf haben in der Quali ein Heimturnier, das wäre ein grosser Vorteil für uns», erklärt Bader.
Wollen sich die Österreicher in der Weltrangliste verbessern, braucht es gute Resultate bei den nächsten WM-Turnieren. Ein solches sollte ihnen an diesem Turnier dank des guten Startes gewiss sein. Dies ganz egal, wie das heutige Spiel gegen die Schweiz ausgeht.
