Andrighettos starke Rückkehr nach Hirnerschütterung
ZSC-Stürmer Sven Andrighetto gehört zu den grossen Teamstützen in der Schweizer Nationalmannschaft. Zusammen mit Denis Malgin bildet er ein derart gefährliches Sturmduo, dass er gar vom Topscorer-Titel träumen kann.
Foto: Thomas Oswald
Sven Andrighetto verkörpert die Schweizer Offensive-Power der ersten WM-Woche wie kein zweiter. Mit vier Toren und neuen Assist führt er die Scorerliste der WM aktuell an. «Ich bin happy, dass ich mit dem Team helfen kann die Spiele zu gewinnen», meint der Stürmer bescheiden. Er gibt zu bedenken, dass mehrere Spieler im Team viele Punkte gesammelt haben. «Wir haben 25 Weltklasse-Spieler. Alle können schnell Schlittschuh fahren und einen präzisen Pass spielen. Das macht meinen Job einfacher», lobt Andrighetto. Obwohl alle Mitspieler ein hohes Niveau haben, ist in der letzten Woche einmal mehr herausgestochen, dass sich Andrighetto beinahe blind mit ZSC-Teamkollege Denis Malgin versteht. Gerade dieses Verständnis sei in den letzten Jahren immer mehr gewachsen, schliesslich habe man im Club, als auch in der Nati oft zusammengespielt. «Mit der Zeit man sich sehr gut kennen. Du weisst, wie, wo, was der andere macht. Du lernst am richtigen Ort zu sein, um einander optimal zu unterstützen. Damit machst du es dem anderen Spieler einfacher die Pässe zu spielen und ein Tor zu machen», führt Andrighetto aus.
Hirnerschütterung zum Ende der Saison
Schaut man dem Duo Andrighetto/Malgin zu, so merkt man immer wieder, mit wie viel Spielfreude die beiden agieren. Dabei war es vor der WM nicht sicher, dass Andrighetto die Schweiz an der WM unterstützen kann. Schliesslich verpasste der Stürmer das Ende der Playoffs, weil er sich nach einem Zusammenstoss mit Rudolfs Balcers eine Gehirnerschütterung zuzog. «Der Schwindel war in dieser Phase das grosse Problem. Wenn ich zehn Minuten nach draussen gegangen bin, musste ich mich sofort wieder hinlegen. Ich habe deshalb in den ersten zwei Wochen praktisch nur geschlafen», erinnert sich Andrighetto. Da es seine erste Hirnerschütterung war, sei es am Anfang nicht einfach gewesen die Geduld zu bewahren. Er habe viel investiert, um mit Hilfe von Osteopathie, Neurotraining und dem Concussion Center wieder zurückzukommen. «Etwa drei Wochen vor der WM habe ich gemerkt, dass es stetig aufwärts geht», erinnert sich der Zürcher. Dabei fühle er sich an dieser WM noch besser als vor der Verletzung.
Verbesserung dank Neuroathletiktraining
Dass sich Andrighetto so gut fühlt, liegt daran, dass er während der Verletzung die Arbeit mit einem Neuroathletiktrainer aufnahm. «Ich bin glücklich, dass ich auf ihn gekommen bin. Das Training bringt nicht nur etwas, wenn man eine Hirnerschütterung hat. Ich habe deshalb auch nie mit dem Training aufgehört», erklärt der 33-jährige. Konkret geht es beim Training darum das Spiel auf eine Art «langsamer» zu machen. «Ich lerne, wie ich Informationen schneller aufnehmen kann. Dadurch kann ich besser reagieren. Weshalb ich ruhiger bin, wenn ich Entscheidungen treffen muss», ist sich der Stürmer bewusst.
Dankbar ein Teil des Teams zu sein
Neben neuen Erkenntnissen freut sich Sven Andrighetto aber auch, dass er es geschafft hat rechtzeitig für die WM fit zu werden. Dabei schätzt er den Zusammenhalt im Team. «Wir haben Patrick Fischer sehr viel zu verdanken, sei dies als Einzelspieler aber auch als Mannschaft. Der Zusammenhalt, den wir in der Mannschaft haben ist bestimmt etwas sehr Grosses, den er uns über die Jahre eingeprägt hat», ist Andrighetto beeindruckt. Dabei ist er dankbar, dass er ein Teil dieses Teams sein darf. Wie man bei den «Besuchen» von Fiala, Siegenthaler und Glauser gemerkt hat, betrifft das Teamgefüge nicht nur die aktiven Spieler. «Neben den verletzten Spieler gehört auch der ganze Staff dazu», gibt der Stürmer zu bedenken. Gerade weil das Teamgefüge so gut ist, habe sich beim Trainerwechsel nicht allzu viel verändert. «Jan Cadieux war als Assistenztrainer in den letzten beiden Jahren bereits Teil dieses Teams. Es war insofern ein einfacher Wechsel, weil wir ihn kannten und er uns», erklärt Andrighetto. Der Stürmer liefert damit auch eine Antwort, wie man die turbulente Vorbereitung am WM-Turnier derart gut ausblenden konnte. «Natürlich fehlt Fischi. Allerdings ist das, was er über die letzten zehn Jahre aufgebaut hat, nicht einfach verloren. Zusammen mit Jan schätzen wir sein Erbe und werden es deshalb auch weiterziehen», erklärt der Zürcher.
Vom roten Meer beeidruckt
Da sich mit dem Abgang von Patrick Fischer nicht viel verändert hat, bleiben auch die Ziele die gleichen: Man strebt einmal mehr nach der Goldmedaille. Anders als in den letzten Jahren kann man diese Mission 2026 allerdings zu Hause in Angriff nehmen. «Wir haben lange auf diese Heim-WM hin gefiebert», gibt Andrighetto unumwunden zu. Dabei zeigt er sich von der Atmosphäre im Stadion beeindruckt. «In diesem roten Meer aufzulaufen ist sehr speziell. Wir nehmen das alles wahr und schätzen diesen Support», schwärmt der Stürmer.
Finnland als Härtetest
Die angesprochene Unterstützung werden die Eisgenossen auf heute Abend erhalten, wenn es gegen Finnland um den Gruppensieg geht. «Wir wissen, dass die Finnen eine starke Hockeynation sind. Sie spielen sehr diszipliniert in ihrem System spielen», ist sich Andrighetto bewusst. Trotz des starken Gegners liege der Fokus aber auf dem eigenen Spiel. «Natürlich werden wir die Finnen studieren, trotzdem liegt der Fokus auf unserem System. Wir wollen uns stetig verbessern und die kleinen Details anpassen», erklärt der Stürmer. Dabei scheint das Spiel gegen die starken Finnen nach zuletzt eher einfacheren Aufgaben gerade zur richtigen Zeit zu kommen. «Wir wollen unseren Rhythmus finden, bevor es dann wirklich drauf ankommt», ist sich Andrighetto bewusst.
