Silberfeier zum Dritten
Heute fand die Medaillenfeier im Stadtzürcher Volkshaus statt, anders als in den Jahren zuvor in Kloten. Das Volkshaus war gut gefüllt und die Fans wurden gut vom Team eben jenes verköstigt. Der DJ stimmte mit Songs wie Gimme Gimme oder Sara Perche Ti Amo ein. Als das Team endlich kurz nach 18:15 auf die Bühne kam, wurden sie frenetisch empfangen.
Angefangen würde mit einem Ausschnitt der Fans von der Enttäuschung des letzten Abends. Danach wurden nochmals auf alle Spiele zurückgeschaut und (fast) alle Tore nochmals frenetisch gefeiert. Auch die «W. Nuss» wurde kurz angestimmt. Natürlich wurde auch der Herzensbruch, das Tor ins Herz der Schweiz, gezeigt. Trotzdem überwog der Stolz auf die dritte Silbermedaille in Serie und die fünfte seit 2013.
Als das Team endlich auf die Bühne kam, explodierte der Saal kurzfristig. Sven Andrighetto musste als erster Red und Antwort geben als «local hero». «Mit einem Wort: Dankbarkeit. Dieses Erlebnis zuhause zu feiern war unglaublich. Unsere Fans haben uns die Energie gegeben. Das werden wir alle nie vergessen», meinte der ZSC-Stürmer. Er betonte auch den Zusammenhalt, welcher dieses Team auszeichnete.
Als nächstes stellte sich Nino Niederreiter. «Wir wollten eine coole WM spielen, dass wir die Leute begeistern können. Das ist uns glaube ich gelungen dank unserer grossartigen Fans», zog er zuerst das Positive hervor. Natürlich sei der Kopf leer nach dieser Niederlage, sie allen glaubten fest daran, dass es endlich klappt. «Es wird eine Weile dauern, bis das Positive in den Gedanken überwiegt. Aber wir sind aber alle unglaublich dankbar für diese Erinnerungen an diese tolle Heim-WM.» Ein bisschen deutete er auch an, dass er weiter am Traum von WM-Gold arbeiten möchte.
Danach kommt nochmals ein Rückblick auf die vergangenen Turniere. Mit dem Beginn des modernen Eishockeys unter Ralph Krueger und die Weiterentwicklung unter Patrick Fischer.
Nun stellte sich Leonardo Genoni dem Mikrofon: «Es ist hart auf dieser Seite zu sein und unglaublich schön auf der Siegerseite zu sein. Es hat sehr wenig gefehlt. Auch wenn es nicht Gold wurde, eine solche Heim-WM werden wir alle nie vergessen.» Er betonte nochmals, wie passioniert die Schweizer Fans gewesen seien, obwohl das Klischee eigentlich vom zurückhaltenden Schweizer spricht. «Das Wissen, verdammt nahe dran zu sein, hilft. Eines Tages wird der Moment des Sieges kommen. Mein Job als Torhüter ist einfach mit dieser Truppe», gibt er das Lob für seinen Shutout-Weltrekord ans Team zurück.
«Ich bin sehr stolz auf die Jungs. Die Werte, welche sie gelebt hatten. Wie sie unser Publikum inspirierten, das macht mich sehr Stolz», meinte Jan Cadieux. Die Jungs hätten einen riesigen Willen und die zwei Wochen waren fantastisch. «Vielleicht hat die Medaille die falsche Farbe. Ich habe den Coaches gesagt nachdem Grossbritannien Spiel gesagt, dass wir auf der Bank bleiben. Wir mussten die W. Nuss aufsaugen. Diese Energie... dafür sind wir sehr dankbar. Und wir arbeiten daran, diese Goldmedaille endlich zu holen.»
Zum Schluss durfte noch der Captain einige Worte ans Publikum richten. Zuerst musste er das obligate Happy Birthday von den Fans anhören. «Es war unbeschreiblich. Nachdem Deutschland-Spiel sagte ich zu Nino: Das werden wir nie vergessen. Und dann ging es immer weiter. Diese Stimmung werden wir nie vergessen. Wir glaubten immer daran. Am Willen und am Vertrauen lag es wohl nicht», versucht er die Niederlage nochmals zu erklären. Die Freude über diese tolle Heim-WM überwiegt auch beim MVP des Turniers.
Dann wurde noch einmal die «W. Nuss vo Bümbliz» angestimmt. Ein letztes Mal Gänsehaut. Natürlich durfte auch der Torsong «Richi» nicht fehlen, ehe sich die Spieler zu den Interviews und in den privaten Festbereich zurückzogen. Nicht ohne das Publikum noch einmal Beifall zu huldigen. Dabei wurden vorwiegend die Jungen und die Männer im Hintergrund nach vorne geschickt, um die Welle anzustimmen.
Weitere Stimmen vom Tag danach:
Simon Knak: «Wir haben den Abend gemeinsam verbracht und ein Paar Bier getrunken. Jetzt ist es vorbei. Ich weiss noch nicht recht, wie ich die Nachmittage nun verbringe allein. Wir haben immer Spiele gespielt oder sind zusammen in die Stadt. Es war eine fantastische Zeit. Es ist die Zeit leider Vorbei. Ich gönne mir ein paar Tage Portugal. Zurzeit wohne ich noch bei meinen Eltern, aber hoffe bald auf die Zusage der neuen Wohnung in Zürich. Ich glaube nicht, dass die zwei Silbermedaillen mir da sehr viel helfen, dass ich die Zusage bekomme. Gestern war ich noch sehr niedergeschlagen. Heute geht es schon etwas besser, nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe. Schlussendlich gehen viele Mannschaften ohne Medaille nachhause und es hat nur sehr wenig gefehlt. Wir sind auf einem guten Weg und greifen nächstes Jahr noch einmal richtig an.»
Nico Hischier: «Viel war nicht mehr los gestern. Wir sassen mit den Jungs zusammen und waren alle wahnsinnig enttäuscht. Es war trotzdem schön. Mit so einer grossartigen Gruppe, ist das schön, dies gemeinsam zu verarbeiten. Ich habe nicht viel geschlafen, deswegen habe ich das Ganze noch nicht richtig verdaut. Ich denke wir sind uns einig: Es ist einfach nur bitter. Wir haben es alle anders gewollt und gehofft. Einerseits ist es megaschön nochmals die Fans hier im Volkshaus zu erleben. Zusehen was wir auslösen konnten in der Schweiz. Silber zu feiern ist halt nur der Trostpreis. Und das dreimal hintereinander. Es zuhause an einer so tollen Heim-WM nicht zu schaffen, tut es besonders weh. Es ist sehr emotional. Man weiss nie wie viele Chancen man hat. Ich spiele in der NHL und weiss halt nie, ob ich der Mannschaft helfen kann. Ich gab alles und es reichte leider nicht. Dieses Turnier werde ich nie vergessen. Es war fantastisch und ich bin dankbar, dass ich dabei sein konnte. Es war perfekt, bis auf ein Spiel. Für alle war es wunderbar. Vom Staff, zu Jan Cadieux, zu Fischi, welche das Team 10 Jahre prägte. Normalerweise kann ich Niederlagen gut verkraften, aber diese Niederlage werde ich noch länger haben zum Verdauen. Auf der einen Seite können wir Weltmeister werden. Trotzdem können wir stolz sein. Jede hat alles probiert und es hat leider nicht gereicht. Das ist bitter. Ich bin überzeugt, dass wir noch eine Chance kriegen und ich hoffe, dass ich auch dabei sein kann.»
Foto: Martin Merk
