WM: Boykotte, Visaverweigerungen und Sponsorenrückzug

03.11.26 - Martin Merk

Chaos um die Eishockey-Weltmeisterschaften: Nachdem ein Gerichtsentscheid die IIHF nötigt, Russland zurückkehren zu lassen, haben mehrere Landesverbände, Regierungen und Sponsoren Boykottdrohungen ausgesprochen.

Verbandswesen

Während der Landesverband der neutralen Schweiz sich zurückhält, haben sechs andere europäische Verbände eine Boykottankündigung gemacht. Dänemark, Finnland, Lettland, Norwegen, Schweden und Tschechien werden keine Spiele gegen Russland bestreiten. Sie argumentieren, dass eine Teilnahme Russlands unangebracht sei, während in der Ukraine weiterhin täglich Menschen sterben, sowie Sicherheitsbedenken.

Besonders im Fokus steht die Herren-WM in Deutschland. Würde es bei 16 Mannschaften bleiben, müsste für Russland ausgerechnet die Ukraine als zweiter Aufsteiger ausgeladen werden und damit den Reputationsschaden maximieren. Der Deutsche Eishockey-Bund hat die Rückgabe des Gastgeberrechts ins Spiel gebracht und wird mit der Regierung diskutieren, ob überhaupt Visen an die russischen Teammitglieder vergeben würden. Als alternativer Standort soll bei der IIHF laut "watson.ch" Kasachstan ein Thema sein, das sich früher erfolglos als WM-Gastgeber beworben, jedoch in Astana und Almaty WM-taugliche Arenen bereit hätte und eine politisch neutrale Position einnimmt.

Weiter als Deutschland sind bezüglich der Visumdiskussion andere Länder. Der kanadische Ministerpräsident hat angekündigt, die Russen nicht zur Ende Dezember beginnenden U20-WM einreisen zu lassen. Ebenso will die tschechische Regierung die russische Delegation nicht zur U18-Frauen-WM im Januar einreisen lassen. Finnland als Ausrichter der U20-WM 2027/28 hat in Aussicht gestellt, sich als Gastgeber zurückzuziehen, falls Russland mitspielen würde.

Auch bei den WM-Sponsoren gab es einen ersten Rückzug. Der schwedische Einrichtungsversandhändler AJ Produkter hat den Rückzug nach 37 Jahren als Sponsor angekündigt aus Protest gegen Russlands Teilnahme. Der finnische Reifenhersteller Nokian Tyres und ein tschechischer Wettanbieter drohen ebenfalls mit einem Rückzug, falls Russland teilnimmt.

Nicht zu beneiden sind in diesem Chaos der internationale Eishockeyverband IIHF und der WM-Vermarkter Infront. Schon durch den Ausschluss Russlands gingen Sponsoren aus dem Land verloren und damit auch Einnahmen, wobei der Vermarkter Infront die Verluste zumindest teilweise auf die IIHF abwälzte durch Kürzungen der Zahlungen. Und nun droht auch der Absprung von Sponsoren aus dem EU-Raum. Die IIHF schloss Russland 2022 aus. Im Gegensatz zu anderen Sportverbänden schrieb sie ihre politische Neutralität jedoch gross und verbannte Russland und Weissrussland nicht direkt wegen den Kriegshandlungen, sondern wegen Sicherheitsbedenken. Mit dieser Argumentation fuhr sie drei Jahre lang gut, nun konnte sie aber vor dem internationalen Sportschiedsgericht TAS/CAS nicht mehr standhalten und bringt die IIHF in eine Situation, in der es nur noch darum gehen kann, die am wenigsten schlechte Option zu wählen. Aktuell tagt der Vorstand ("Council") in Dringlichkeitssitzungen.

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