Schweizer Sieg im Penaltyschiessen

Von Rolf Probst
Finnland
4
0 - 2 - 2
Schweiz
5
1 - 2 - 1
07.05.2026
A-Nationalmannschaft
0:1‧2:2‧2:1
Spielbericht

In einem sehr ausgeglichen Spiel fiel die Entscheidung im Penaltyschiessen. Dort trafen erneut Théo Rochette und Tyler Moy für die Schweiz. Für die Finnen traf nur Alexander Barkov. So sicherte die Schweiz den Sieg. Die Schweizer führten in den 60 Minuten mit 0:2, 2:3 und 3:4. Die Finnen konnten jedesmal mit ihrer grossen Qualität immer wieder das Spiel ausgleichen. Auf Schweizer Seite merkte man den NHL-Spieler die fehlende Spielpraxis an, aber schon nur die Präsenz auf dem Eis, hebt die Qualität der gesamten Mannschaft auf ein höheres Niveau an. Das wird von Spiel zu Spiel besser werden.

Spielverlauf

1.Drittel

Die Schweizer starteten mit viel Tempo und Druck in die Partie gegenFinnland. Bereits nach 98 Sekunden wurden die starken Anfangsminuten belohnt: Calvin Thürkauf setzte sich auf der rechten Seite durch,Justus Annunenkonnte den Schuss nur nach vorne abprallen lassen.Dominik Eglireagierte am schnellsten und erzielte das frühe 0:1 für die Schweiz. Die Schweizer blieben zunächst spielbestimmend und kamen zu weiteren Abschlüssen. Danach geriet allerdings die vierte Linie mit den beiden NeulingenSimon SeilerundYannick Frehnerwährend fast zwei Minuten massiv unter Druck. Die Finnen schnürten die Schweizer regelrecht im eigenen Drittel ein, dochLeonardo Genonikonnte die Situation mit einer wichtigen Intervention entschärfen. Mit dem anschliessenden Linienwechsel fanden auch die Schweizer wieder besser ins Spiel und kamen erneut zu Offensivaktionen. Der Druck der Finnen nahm jedoch stetig zu – begünstigt auch durch die erste Zweiminutenstrafe gegen die Schweiz gegen Calvin Thürkauf. Bereits zuvor hatten die Schweizer nach einem Pfostenschuss der Finnen etwas Glück beansprucht. In Unterzahl zeigte sich die Schweiz aber stabil, nicht zuletzt dank mehreren starken Paraden von Leonardo Genoni. In der Schlussphase des Drittels bot sich der Schweiz nochmals die Möglichkeit zum 0:2. Unter anderem kamDenis Malginvor dem finnischen Tor frei zum Abschluss, scheiterte jedoch mit einem zu zentralen Schuss an Justus Annunen. Und nur fünf Sekunden vor der Sirene fehlten den Schweizern wenige Zentimeter zum zweiten Treffer: Dominik Egli traf lediglich den Pfosten.

2.Drittel

Finnlandkam mit deutlich mehr Schwung aus der Kabine und verzeichnete auch die erste gute Möglichkeit im Mitteldrittel. Doch erneut warLeonardo GenoniEndstation. Nach und nach fanden die Schweizer wieder besser ins Spiel und kamen durchNico HischiersowieSimon Knakzu guten Abschlüssen. In der 28. Minute gerieten die Schweizer in der eigenen Zone etwas unter Druck, eheDominik Eglimit einem genialen PassPius Suterlancierte. Dieser liess seinen Gegenspieler stehen und bedienteThéo Rochettemustergültig, der nur noch ins leere Tor zum 0:2 einschieben musste. Der sogenannte «Big Shift» nach einem Tor verlief für die Schweizer allerdings alles andere als optimal. Nach dem gewonnenen Momentum verloren sie unmittelbar nach dem Treffer das Bully, arbeiteten schlecht zurück und kassierten nur zehn Sekunden später bereits den Anschlusstreffer.Anton Lundellsetzte sich auf dem linken Flügel durch, eheJesse Puljujärviam schnellsten reagierte und zum 1:2 einschob. Die Finnen übernahmen nun das Spieldiktat und kamen in der 33. Minute folgerichtig zum Ausgleich.Vili Saarijärvitraf zum 2:2. Für die Schweizer war es besonders ärgerlich, die 0:2-Führung innerhalb kürzester Zeit aus der Hand gegeben zu haben, auch wenn das Resultat dem bisherigen Spielverlauf durchaus entsprach. In der 35. Minute bot sich der Schweiz eine Doppelchance durchGiancarlo ChantonundRoman Josi. Im direkten Gegenzug verpasste Jesse Puljujärvi die erstmalige Führung für die Finnen nur knapp. Nach einem Bandencheck vonOlli MäättägegenAttilio Biascadeutete zunächst alles auf ein Powerplay für die Schweiz hin. Weil sich jedochTimo Meier mit einem Faustschlag revanchierte, ging es mit fünf gegen fünf weiter. Kurz darauf musste Simon Knak auf die Strafbank. Die Schweizer überstanden die Unterzahl nicht nur schadlos, sondern schlugen sogar eiskalt zu: Nach einem Konter scheiterte zunächstDenis Malginan Justus Annunen, doch Théo Rochette war mitgelaufen und traf in Unterzahl zum 2:3. Trotz einiger schwieriger Phasen gingen die Schweizer somit mit einer knappen Führung in die zweite Pause.

3.Drittel

Das Schlussdrittel begann mit einer Schrecksekunde für die Schweiz. Bereits nach wenigen Sekunden kamen dieFinnenbeinahe zum Ausgleich. Nach einem Zuspiel vonJesse PuljujärvilenkteAnton Lundellden Puck mit dem rechten Schlittschuh an den Aussenpfosten ab.Leonardo Genoniwäre in dieser Szene geschlagen gewesen. Auf der Gegenseite verpassteCalvin Thürkaufden Puck vor dem finnischen Tor nur knapp. In der 47. Minute fiel dann der verdiente Ausgleich für Finnland.Saku Maenalanenlenkte einen Schuss vonMiska Kukkonenunhaltbar zum 3:3 ab. Die Schweizer agierten in dieser Szene im eigenen Drittel zu passiv und liessen den Finnen zu viel Raum, bis die Situation nicht mehr zu bereinigen war. Eine Stärke der Schweizer an diesem Abend war allerdings ihre Fähigkeit, stets eine Antwort auf die finnischen Treffer zu finden. In der 50. Minute setzte sichTyler Moyin der neutralen Zone stark gegen zwei Gegenspieler durch und lancierte mit der Stockspitze Calvin Thürkauf. Dieser liessJustus Annunenkeine Chance und brachte die Schweiz mit dem 3:4 erneut in Führung. Nur eine Minute später mussten die Schweizer allerdings erneut in Unterzahl agieren.Simon Seilerhielt seinen Gegenspieler zu lange zurück und wanderte auf die Strafbank. Zwar kamen die Schweizer durchDenis Malginin Unterzahl zunächst selbst zu einer guten Möglichkeit, doch im direkten Gegenzug nutzten die Finnen ihr Powerplay aus. Anton Lundell spielte einen perfekten Pass auf Jesse Puljujärvi, der nur noch zum 4:4 einschieben musste.

Danach bot sich der Schweiz ein eigenes Powerplay. Dabei wurde allerdings sichtbar, dass die Automatismen insbesondere mit den NHL-Spielern noch nicht vollständig vorhanden sind. Viele Akteure hatten längere Zeit kein Ernstkampfspiel mehr bestritten, weshalb solche Vorbereitungsspiele enorm wichtig sind – auch wenn noch nicht alles perfekt funktioniert. 91 Sekunden vor Ende des dritten Drittels erhielten die Schweizer in Überzahl nochmals die Möglichkeit, die Partie in der regulären Spielzeit zu entscheiden, aber es bleib beim 4:4.

Verlängerung:

Die Schweiz konnte mit einem Mann mehr in die Verlängerung starten, wusste diese Möglichkeit jedoch nicht zu nutzen. Stattdessen mussteCalvin Thürkaufin der 62. Minute wegen eines unnötigen Beinstellens in der offensiven Zone auf die Strafbank. In Überzahl schnürteFinnlanddie Schweizer lange im eigenen Drittel ein, scheiterten jedoch immer wieder am stark reagierendenLeonardo Genoni. Kurz vor Ablauf der Strafe bot sich der Schweiz durchDenis Malginsogar noch die Chance auf die Entscheidung, dochJustus Annunenbehielt im direkten Duell die Oberhand. Da in der Verlängerung keine Entscheidung fiel, musste das Penaltyschiessen über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Penaltyschiessen:

Im Penaltyschiessen bewiesen die Schweizer erneut starke Nerven. Wie bereits am vergangenen Sonntag verwandeltenThéo RochetteundTyler Moyihre Versuche souverän und eiskalt. Auf finnischer Seite konnte einzigAleksander Barkovreüssieren. Die übrigen vier finnischen Schützen scheiterten allesamt am überragendenLeonardo Genoni, der damit endgültig zum Matchwinner avancierte und der Schweiz den Sieg sicherte.

Fazit:

Die Schweiz zeigte gegenFinnlandüber weite Strecken eine engagierte und offensiv mutige Leistung. Trotz mehrfach verspielteter Führungen bewies das Team Moral und fand immer wieder eine Antwort auf die finnischen Treffer. Noch nicht alle Abläufe funktionierten perfekt, insbesondere im Powerplay und im Zusammenspiel mit den NHL-Verstärkungen, doch genau dafür sind diese Vorbereitungsspiele wichtig. Matchwinner war einmal mehrLeonardo Genoni, der die Schweiz mit zahlreichen Paraden – insbesondere in der Verlängerung und im Penaltyschiessen – zum Sieg führte.

Finnland vs. Schweiz 4:5 n.P. (0:1 / 2:2 / 2:1 / 0:0 / 0:1)

Catena Arena,ÄngelholmSWE– 447 Zuschauer

SR/LM: Adam KIKA, Ludek PILNY; Rasmus STRÖMBERG, Philip HANNING

Tore: 01:38 Egli (Thürkauf, Frick) 0:1 EQ; 27:47 Rochette (Suter, Egli) 0:2 EQ; 27:57 Puljujärvi (Lundell, Manninen) 1:2 EQ; 32:30 Saarijärvi (Lundell, Puljujärvi) 2:2 EQ; 38:52 Rochette (Malgin, Chanton / Ausschluss Simon Knak!) 2:3 SH1; 46:24 Maenalanen (Kukkonen, Merelä) 3:3 EQ; 49:17 Thürkauf (Moy) 3:4 EQ; 51:24 Puljujärvi (Lundell, Heinola / Ausschluss Seiler) 4:4 PP1

Penaltyschiessen:

0:0 Schweiz - Denis Malgin verschiesst

0:0 Finnland - Anton Lundell; Leonardo Genoni hält

0:1 Schweiz - Théo Rochette trifft

0:1 Finnland - Jesse Puljujärvi; Leonardo Genoni hält

0:2 Schweiz - Tyler Moy trifft

1:2 Finnland - Alexander Barkov trifft

1:2 Schweiz - Roman Josi; Justus Annunen hält

1:2 Finnland - Aku Rätü verschiesst

1:2 Schweiz - Timo Meier, Justus Annunen hält

1:2 Finnland - Janne Kuokkanen; Leonardo Genoni hält

Strafen:

Finnland 3 x 2 Min.

Schweiz 5 x 2 Min.

Strafminuten: Finnland 6 Minuten – Schweiz 10 Minuten

Finnland:

Goalie: Annunen– Backup: Säteri

1. Linie: Heinola, Vaakanainen; Hämeenaho, Barkov, Kuokkanen

2. Linie: Lehtonen, Saarijärvi; Puljujärvi, Manninen, Lundell

3. Linie: Kukkonen, Määtä; Ak. Räty, Puistola, Aa. Räty

4. Linie: Vilen, Riikola; Merelä, Maenalanen, Björninen

13. Stürmer: Päivärinta

Coach: Antti PENNANEN

Schweiz:

Goalie: Genoni – Backup: Berra

1. Linie: Josi, Berni; Meier, Hischier, Biasca

2. Linie: Frick, Egli; Suter, Malgin, Rochette

3. Linie: Jung, Heldner; Moy, Thürkauf, Niederreiter

4. Linie: Seiler, Chanton; Frehner, Baechler, Knak

Coach: Jan CADIEUX

Schussverhältnis: Finnland 27 – Schweiz 18

Goalies:

Justus ANNUNEN, Finnland (13 von 18 Schüssen gehalten – Abwehrquote: 72.22%)

Leonardo GENONI, Schweiz (23 von 27 Schüssen gehalten – Abwehrquote 85.19%)

Ereignisübersicht (ohne Tore – diese siehe oben im Bericht):

1.Drittel:

07:46 Pfostenschuss Attu Räty, Finnland

09:06 2' Calvin THÜRKAUF, Schweiz - Beinstellen (2:00)

19:55 Pfostenschuss Dominik Egli, Schweiz

2. Drittel:

36:23 2' Oli Määtä, Finnland - Bandencheck (2:00)

36:23 2' Timo Meier, Schweiz - Übertriebene Härte (2:00)

37:09 2' Simon Knak, Schweiz - Hoher Stock (2:00)

3. Drittel:

50:39 2 Simon Seiler, Schweiz - Halten (0:54)

52:06 2' Aatu Räty, Finnland - Beinstellen (2:00)

58:29 2' Urho Vaakanainen, Finnland - Beinstellen (2:00)

Verlängerung:

61:38 2' Calvin Thürkauf, Schweiz - Beinstellen (2:00)

65:00 Game-Winning-Goals: #95 Tyler Moy

(PF-TS): PostFinance-Topscorer

©: Captain

Resultat:

4:5 nP