Schweizer Nati demontiert Erzrivale Deutschland
Deutschland
Schweiz
Spielbericht
Dank einem überragenden Mitteldrittel mit 5 Toren bodigt die Schweiz die Deutschen mit 6:1 und begräbt damit die Hoffnungen Deutschlands aufs Viertelfinale.
Never change a winning team. Ausser der Rochade auf der Goalieposition – heute ist wieder Genoni im Tor – belässt Coach Jan Cadieux bei der Aufstellung der Schweizer alles wie gehabt. Im Deutschen Team pausiert hingegen Torwart Philipp Grubauer. An seiner Stelle kommt der Torwart des ERC Ingolstadt, Jonas Stettmer, zu seinem Nationalmannschaftsdebüt.
Was den erneut zahlreichen Schweizer Fans in der ausverkauften Swiss Life Arena gefällt, ist die Gradlinigkeit, mit welcher die Schweizer in den ersten Minuten beginnen. Die Hockeyschweiz weiss seit dem überzeugenden Start ins Turnier, dass die Nati über viel Selbstvertrauen verfügt und eine hohe Leistungsbereitschaft an den Tag legen kann. Was dann aber in den kommenden Minuten gezeigt wird, sorgt eher für Kopfschütteln: Dumme Strafen, gleich zwei an der Zahl, nehmen die Schweizer im ersten Drittel. Immerhin ist das Penalty Killing gut genug, um den in dieser Phase eher stärkeren Deutschen Paroli zu bieten. Einmal kann auch die Schweiz in Überzahl agieren, vermag aber mit einem schwachen Powerplay keine Akzente zu setzen. Die Teams gehen mit einem gerechten 0:0 in die erste Pause.
Kaum wieder angepfiffen folgt bereits wieder eine unnötige Strafe gegen die Eisgenossen. Diesmal wissen die Schweizer aber, wie man die dumme Strafe wieder vergessen macht. Bei einem schnell eingeleiteten Konter in Unterzahl passt Josi auf Hischier. Der schliesst noch nicht ab, sondern wartet, weil er sieht, dass weit aussen Malgin heranbraust. Er passt zu Malgin und dieser netzt ein und sorgt für den ersten Treffer der Partie mit einem Shorthander.
Drei Minuten später stellen die Schweizer Stürmer Ihre Kaltschnäuzigkeit gleich ein weiteres Mal unter Beweis. Einem deutschen Verteidiger verspringt die Scheibe direkt vor seinem Torhüter. Malgin reagiert blitzschnell, schnappt sich den Puck, spielt zu Meier, dieser zurück zu Malgin, welcher Andrighetto bedient und da steht’s 0:2 – tic, tac, toe. Und wo’s mit dem Tore schiessen so schön läuft, setzen die CH-Boys gleich noch einen drauf: Nur 35 Sekunden danach kann Niederreiter den Abpraller von Jungs Schuss liegend noch zu Bertschy spitzeln. Dieser schiesst ein und das 0:3 ist perfekt.
Bei den Deutschen kommen jetzt nacheinander zwei Strafen hinzu. Beide Male nehmen die Schweizer die Einladung dankend an und schiessen zwei weitere Tore. Einmal trifft Hischier, einmal Josi. Mit fünf verschiedenen Torschützen bei den 5 Toren im Mitteldrittel ist die Entscheidung gefallen.Der «Zürcher» Sturm stellt in der 46. Minute den sechsten Treffer sicher: Pius Suter legt zurück auf Malgin. Dessen Schuss prallt seitlich ab und Andrighetto kann aus spitzem Winkel das Tor erzielen. Gut vier Minuten vor Ende gelingt den Deutschen noch der Ehrentreffer. Mit diesem Sieg bekommt die Schweiz sehr gute Noten punkto Effizienz und Chancenauswertung.
Ob er es bedauere, dass er keinen Shutout hatte feiern können, wollten wir von Genoni wissen: «Nein, das hatten wir letztes Jahr auch schon.» Angesprochen auf die 50 WM-Spiele, die er jetzt hat, witzelt er, ja, er habe in der Garderobe einen Kuchen erhalten. Natürlich nicht – ihn interessieren alle tollen Statistiken nicht so sehr. Er ist einfach happy über die drei Punkte und beantwortet alle Fragen mit viel Humor. Ja, gut gelaunt darf er ja durchaus sein. Und dann windet er seinem Gegenüber, Torhüter Stettmer, noch ein Kränzchen: «Es tut mir leid für den Goalie, er hat wirklich eine gute Leistung gezeigt, sonst auch eine extrem schöne Saison gespielt. Ich habe ihn verfolgt und es ihm auch gesagt nach dem Spiel.»
Malgin: «Mit Suter habe ich schon früher als Junior zusammengespielt und mit Ghetto spiele ich jetzt schon seit 2 Jahren zusammen und es funktioniert. Wir wollen die Scheibe schnell laufen lassen und einfach Spass haben zuhause.» Angesprochen auf die anfänglichen Schwierigkeiten im Startdrittel meint er: «Ja, sie hatten mehr Chancen als wir. Aber im Zweiten ist’s dann ins Rollen gekommen und dann war’s mega schön. Wir spielen einfach. Die Scheibe muss laufen und dann wird’s schwierig für den Gegner.»
Telegramm
Deutschland - Schweiz 1:6 (0:0, 0:5; 1:1)
Swiss Life Arena, Zürich – 10’000 Zuschauer (ausverkauft) – SR: Holm (SWE) / Ondracek (CZE), Gibbs (CAN) / Rampir (CZE).
Tore: 25:56 Malgin (Hischier, Josi; Ausschluss Meier!) 0:1; 28:54 Andrighetto (Malgin, Meier) 0:2; 29:29 Bertschy (Niederreiter, Jung) 0:3; 37:23 Hischier (Meier, Josi, Ausschluss Krammer) 0:4; 38:19 Josi (Niederreiter, Jäger; Ausschluss Eder) 0:5; 45:16 Andrighetto (Malgin, Suter) 0:6.
Strafen: je 6 x 2 Minuten
Schussverhältnis: 17:30 (7:10, 4:9, 6:11)
Deutschland: Stettmer (Franzreb); Seider (C), Wagner; Wissmann, Mik; Hüttl, Gawanke; Sinn; Fischbuch, Michaelis (A), Dove-McFalls; Tiffels, Samanski, Reichel; Ehl, Kahun (A), Loibl; Tuomie, Eder, Krammer; Kastner.
Schweiz: Genoni (Aeschlimann); Egli, Josi; Kukan, Marti; Moser, Berni; Jung; Meier, Hischier, Rochette; Niederreiter, Thürkauf, Bertschy; Suter, Malgin, Andrighetto; Riat, Jäger, Knak; Biasca.
Bemerkungen Deutschland ohne Grubauer, Wiederer und Weber (alle überzählig); Schweiz ohne Berra (überzählig); 53’ Pfostenschuss Schweiz (Andrighetto); Best Player Deutschland: Seiler; Best Player Schweiz: Josi.
