Fischer-Geständnis erst nach SRF-Recherchen
Die Swiss Ice Hockey Federation lobt Patrick Fischer, dass er seine Urkundenfälschung bezüglich Covid-Impfungen gestanden hat. Doch die Stellungnahme kam aufgrund von SRF-Recherchen. Und eine Einreise nach China wäre mit Umständen auch ohne Impfung möglich gewesen.
«Wir als Verband haben dies zur Kenntnis genommen und finden es anerkennenswert, dass Patrick Fischer diesen Schritt an die Öffentlichkeit geht und seinen Fehler klar einräumt. Dies zeigt persönliche Verantwortung und Grösse», schrieb der Verband mit Zitat des Präsidenten Urs Kessler. Doch die Stellungnahme schien nicht aus hehren Gründen erfolgt zu sein, nicht weil Fischer kurz vor seinem letzten grossen Turnier, der Heim-WM, dies auf dem Herzen hatte. Wie SRF über Nacht bekannt gab, hat der öffentlich-rechtliche Sender - und wichtigste Medienpartner des Verbands - diesen mit seinen Recherchen konfrontiert. Den Journalisten lag der Strafbefehl vor, der auch nicht mehr ganz druckfrisch war, aus dem Jahr 2023. Mit 38'910 Franken wurde er gebüsst, weil er Zertifikate für zwei gefälschte Covid-Impfungen bestellt hatte.
Die Einreise nach China klappte, er konnte bei der Mannschaft sein. Dafür habe Fischer, der sich seit dem Erwachsenenalter nie mehr impfen liess, dies gemacht. Doch auch die Darstellung, dass er nur so einreisen konnte, stimmt nur halb. Wie hockeyfans.ch weiss, liessen die chinesischen Behörden für die Olympischen Winterspiele auch Impfskeptiker einreisen. Diese mussten dann aber durch die reguläre Quarantäne: 21 Tage im Einzelzimmer. Klar, wäre dies für einen Spieler oder Trainer einer Mannschaftssportart weder angenehm, noch praktisch gewesen. Die Vorbereitung hätte grösstenteils ohne den Cheftrainer stattfinden müssen. Die Schweizer Snowboarderin Patrizia Kummer machte das Prozedere als einzige Athletin oder Athlet aus der Schweiz durch.
Für den Verband ist die Sache abgehakt, Fischer tat (und bezahlte) seine Busse. Kommentare in Medien und auf Posts der sozialen Medien reichen von Rücktritt bis "alles richtig gemacht" den Umständen entsprechend. Und doch hat es einen bitteren Beigeschmack, gerade wenn man bedenkt, wie strikt er von den Nationalspielern ein Bekenntnis zur Nationalmannschaft fordert, und als Konsequenz mit Lian Bichsel einen jugendlichen, aufstrebenden Spieler langzeitig sperrte, der bei zwei U20-Aufgeboten seinen NHL-Karrierenweg statt das Schweizer Kreuz in den Vordergrund stellte. Übertünchen liesse sich dies am besten, indem der Traum eines Weltmeistertitels ausgerechnet daheim in Zürich in Erfüllung ginge.
